NABU Steinbach lud ein zur Vogelstimmenwanderung

Vor dem Hintergrund des Artensterbens, das gerade auch Insekten und Vögel betrifft, betonte die Vorsitzende des NABU Steinbach, Luise Klee, wie wichtig es sei, dass Gartenbesitzer ihre Gärten nicht perfekt unkrautfrei und kurzgeschoren halten, sondern möglichst viel Wildwuchs erlauben, da er dann für Insekten und Vögel ein Lebensraum biete. Lebensraum, das heißt Orte um sich zu verstecken und Futter, also Blühpflanzen für die Insekten, die wiederum den Vögeln als Nahrung dienen.

Dr. Achim Zedler verteilte NABU – Postkarten, die an den/die zuständige(n) EU - Abgeordnete(n) geschickt werden sollen, mit der Aufforderung, „meinen“ jährlichen Anteil an den Agrarsubventionen (immerhin 114 Euro pro Person) in naturverträglichere Landwirtschaft zu stecken. Dies kann auch online getätigt werden unter www.NeueAgrarpolitik.eu.

Nach dieser Einleitung spitzten alle die Ohren und schauten in den wolkenverhangenen Himmel. Über uns waren 3 Mauersegler unterwegs und ein Kernbeißer. Mauersegler sind laut Dr. Zedler Felsenbrüter, wie auch Mehlschwalben und Hausrotschwänze. Sie nutzen Gebäude als Felsersatz für ihre Nester.

Weiterhin beobachteten wir 3 Stockenten und 2 Mehlschwalben.

Wir hörten Buchfinken mit ihrem „Regenruf“, den sie aber durchaus auch an heißen Sommertagen von sich geben.

Es waren viele Gartengrasmücken mit ihrem geschwätzigen Gesang unterwegs, sowie Mönchsgrasmücken, Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen, ein Wendehals sowie ein Grünspecht. Grünspechte gehören zu den Erdspechten und fressen  Ameisen. . Wir fanden Dorngrasmücken, eine Klappergrasmücke, ein Bluthänfling, Elstern, Rabenkrähen.

Wir hörten mehrere Nachtigallen, und auf die Frage aus der Zuhörerschaft,, ob noch mehr Vögel in der Nacht singen, erfuhren wir, dass auch der Zaunkönig und das Rotkehlchen nachts rufen, aber nicht so ausdauernd wie die Nachtigall.

Zu hören waren Dohlen und einige Feldlerchen. Letztere haben, laut Dr. Zedler ihre erste Brut in diesem Jahr schon hinter sich. Diese erste Brut sei erfolgreicher als die folgenden, weil die Wiesen, in denen die Feldlerchen als Bodenbrüter ihre Nester haben, im Frühjahr noch nicht gemäht werden.

Ein Kuckuck begleitete uns stimmlich über lange Strecken. Kuckucke bevorzugen als „Gastfamilien“ Hecken- oder Schilfbrüter wie Rohrammern, Teichrohrsänger und Sumpfrohrsänger. Da es die hier nicht gibt, nisten sie sich einfach bei derjenigen Vogelart ein, bei der sie selbst aufgewachsen sind.

Kuckucks haben nämlich ein Aufzuchtproblem. Sie haben sich selber spezialisiert auf pelzige Raupen, die von anderen Vögeln verschmäht werden. Die können sie gut fangen, während sie für die Jagd auf flinkere Insekten selbst zu behäbig sind. Ihre Jungen aber vertragen die harten Raupen nicht. Daher benötigen sie andere, jagdkundigere Vögel als unfreiwillige „Pflegeeltern“.

Übrigens geht diese Strategie der Kuckucke nur in 10 bis 20 % der Fälle auf – in den übrigen Fällen bemerken die Vogeleltern, dass dies nicht ihr Junges ist, und werfen es aus dem Nest.

Des weiteren sahen und hörten wir 2 Nilgänse und einen Mäusebussard. Greifvögel werden laut Dr. Zedler immer seltener, weil sie am Ende der Nahrungskette stehen und entsprechend viel von dem versprühten Gift aufnehmen, das sich in ihren Beutetieren angereichert hat. So ist der überproportionale Rückgang dieser Vogelarten zu erklären.

Weiterhin gab es Bachstelzen und eine Rauchschwalbe. Im Wald hörten wir einen Eichelhäher, eine Sumpfmeise, mehrere Zaunkönige, hörten den Warnruf des Buntspechtes, der uns für ungebetene Gäste hielt. Im Wald waren darüber hinaus Rotkehlchen, Sommergoldhähnchen, Dorngrasmücken und eine Goldammer zu hören.

Auf dem freien Feld sichteten wir einen Steinschmetzer , der eigentlich ein Tundrabewohner ist und in unserer Gegend nicht brütet, sowie ein Turmfalkenpaar.

Insgesamt wurden bei dieser Vogelstimmenwanderung 41 Vogelarten gezählt.

Dr. Zedler gab noch einige weitere Informationen, z.B., dass die Flügel der Vögel desto spitzer zulaufen, je weiter die Vögel fliegen. Rein sesshafte Arten, wie Spatzen und Goldammern haben deshalb runde Flügel.

Meisen legen sehr viele Eier, weil sie ein sehr kurzes und gefährdetes Leben führen. 80 % der Jungvögel überleben das erste Jahr nicht. Wenn Meisen 3 bis 4 Jahre alt werden, sind sie schon sehr alt. Auf der anderen Seite der Bandbreite befindet sich der Seeadler, der nur ein Ei pro Brut legt. Dafür ist seine Lebenserwartung sehr viel höher.

Ob eine Amsel alt ist oder nicht ist an der Farbe der Schwungfedern und des Schnabels zu erkennen. Im ersten Jahr sind die Schwungfedern noch braun, der Schnabel blaßgelb. Im nächsten Sommer, nach der ersten Vollmauser werden die Flügel der Männchen ganz schwarz, der Schnabel wird bei beiden Geschlechtern intensiver gelb.

Vielen Dank an Dr. Achim Zedler für die interessante und äußerst kundige Führung. Sie hat allen Teilnehmern viel Spaß gemacht.